Die Zweite Aufklärung

Das Anliegen der Aufklärung

Das Anliegen der historischen Epoche der Aufklärung – der ersten Aufklärung – ist in dem berühmten Aufsatz Immanuel Kants exzellent zusammengefaßt: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! …“ (Immanuel Kant, 1784)

In dieser ersten Aufklärung ging es vor allem um die Befreiung vom engen Korsett religiöser Dogmen. Ein zur Ideologie erstarrtes Zerrbild von Religion stand im Dienst des Machterhalts der Kirche, die seit je Moral als Mittel zur Unterdrückung eingesetzt hat. Der Blick war in der Aufklärung nach außen gerichtet, auf die Welt, auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und die soziale Ungleichheit.

Die Welt und die dort herrschenden Verhältnisse als Spiegel einer inneren Erstarrung in der Psyche jedes Einzelnen zu erkennen und zu durchschauen, war damals nur den wenigen möglich, die in tiefgründiger Innenschau Weisheit erworben hatten. Für unsereiner bedarf es einer Zweiten Aufklärung mit einem Blick, der abwechselnd oder gleichzeitig so-wohl nach innen als auch nach außen schaut, dabei die Außenwelt als Spiegel nutzt, bis es möglich wird, die eigene tiefgreifende frühkindliche Konditionierung als Ursache für den Mangel an Entschließung und Mut zu erkennen und schrittweise aufzulösen.

In von mir entsprechend abgewandelten Worten Immanuel Kants könnte es so heißen:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst zu verantwortenden Unmündigkeit, die ein unvermeidliches Ergebnis unverschuldeter frühkindlicher Prägung ist. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst zu verantworten ist diese Unmündigkeit, wenn der Mensch als Erwachsener reif genug geworden ist, um sich seiner frühkindlichen Prägung zuzuwenden und sich ihrer liebevoll anzunehmen. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen und lenke mit seiner Hilfe Licht und Wärme der Sonne, die in deiner Wesensmitte – im Herzen – anwesend ist, auf die erstarrten inneren Muster in deinem Denken, Fühlen und Verhalten …

Fragwürdigkeit als Grundprinzip von Wissenschaft

Jeder wissenschaftlichen Theoriebildung geht eine umfangreiche und genaue Beobachtung der Wirklichkeit voraus, wie sie sich in den verschiedenen Erscheinungsformen offenbart. Das menschliche Bedürfnis, das Beobachtete auch zu verstehen, führt dann zu-nächst zu Hypothesen, zu Vermutungen über Zusammenhänge, Gesetzmäßigkeiten und wirkende Prinzipien, die schließlich als Grundlage zur Bildung der eigentlichen Theorie dienen. Niemals kann eine Theorie den Anspruch auf Wahrheit erfüllen, doch ist sie so-lange brauchbar und hilfreich, wie sie die beobachteten Phänomene in einem in sich stimmigen und schlüssigen Konzept miteinander vereinbaren kann. Sobald eine Theorie mit einem Anspruch auf Wahrheit verbunden wird, hat sich Wissenschaft in Ideologie verwandelt, ist sie zur Ersatzreligion und Glaubenslehre degeneriert.

Beobachtungen, was sich seit Beginn
der propagierten Pandemie verändert hat

Korona der Sonne (Foto: mikegi-506967, pixabay)

Schon im Februar 2020 fiel mir der Gleichklang in der medialen Berichterstattung über Corona auf. Plötzlich gab es in den Nachrichten auf allen Kanälen und zu jeder Tageszeit an erster Stelle nur noch ein Thema: Corona. Die Aufmerksamkeit der Medienleute und in der Folge auch der ganzen Öffentlichkeit war fokussiert, ja zwanghaft eingeengt auf dieses eine Thema. Mir kam damals das Bild von dem Kaninchen in den Sinn, das voller Angst auf die Schlange starrt und seinen Blick nicht mehr abwenden kann. Auch fiel mir auf, daß Medien, die zu-vor ganz unterschiedliche politische Ausrichtung vertreten hatten, nun – wie gleichgeschaltet – fast nur noch die Ansicht der Regierung und des Robert-Koch-Instituts (RKI) ohne kritische Hinterfragung weitergaben. Ansichten von hochrangigen Wissenschaftlern und erfahrenen Medizin-Experten, die der propagierten Pandemie widersprachen, wurden an den Rand gedrängt und ihre Vertreter regelrecht diffamiert.

(z.B. Prof. Sucharit Bhakdi, Prof. Dr. Stefan Hockertz, Professor Dr. Otfried Jarren, Professor Dr. Gérard Krause, Professor Dr. Karin Mölling, Professor Dr. Hendrick Streeck, Professor Dr. Jochen A. Werner, der ehemalige Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Wodarg und noch viele andere mehr)

Auch diente die Flut von täglich neuen Zahlenangaben in den Nachrichten bei gleichzeitigem Verschweigen der zum Verständnis notwendigen Bezugsrahmen und Vergleichsgrößen mehr der Desinformation als einer sachgerechten Information. Beim Zuhörer oder Zuschauer bewirkte das eher Verwirrung als Aufklärung. Erst später fiel mir die fatale Ähnlichkeit mit Kriegsberichterstattung auf. Kritische Stimmen, die die Sinnhaftigkeit des Krieges (diesmal der Krieg gegen ein Virus) in Frage stellen und auch Daten, die die Gefährlichkeit des Virus gering erscheinen lassen, passen da nicht ins Bild. Ob jemand tatsächlich an Corona verstorben ist, läßt sich nur mit Hilfe einer Obduktion des Leichnams herausfinden. Vom RKI waren solche Obduktionen jedoch ausdrücklich als unerwünscht deklariert. Schließlich sei noch die merkwürdige Verschiebung der Frontlinien in den politischen Grabenkämpfen erwähnt: Ehemals systemkritische Akteure (wie z.B. Grüne, TAZ) nahmen plötzlich staatstragende Attitüden an und diskriminierten neu aufkeimende Oppositionsbewegungen (wie z.B. Querdenken 711) heftiger noch als die machthabenden Eliten. Es kam zu einer Spaltung der ganzen Gesellschaft – zuweilen quer durch die Familien – in zwei Lager: jene, die die offizielle Corona-Politik gutheißen und jene, die das nicht tun.

Was lief da ab, wie war so etwas möglich?

Die Rolle des Unbewußten

Als Psychotherapeut habe ich mich immer schon besonders für den im Unbewußten liegenden Teil der menschlichen Psyche interessiert. Wenn ich dafür einen im Meer schwimmenden Eisberg als Metapher benutze, so entspricht das jenem Teil, der unter Wasser und den Blicken entzogen ist. Für jeden Einzelnen ist eine tiefenpsychologische Aufklärungsarbeit notwendig, die Licht in die innere Dunkelkammer bringt, in der die Filme des eigenen Lebens und Schicksals entwickelt werden. Nach über 40 Jahren solcher erhellender Arbeit bei mir selbst und in der Begleitung von Klienten ist es für mich über jeden Zweifel erhaben, daß menschliches Verhalten viel stärker durch unbewußte Muster und Antriebe bestimmt ist, als wir an der Oberfläche unseres Bewußtseins wahrnehmen und wahrhaben wollen. Mir war klar, daß dem Verhalten aller Beteiligten Angst zugrunde liegen mußte. Angst auch bei den Regierenden, bei Politikern jeglicher Couleur, bei den Fachleuten, bei Medienleuten, bei Wirtschaftsbossen und bei der großen Mehrheit der Bevölkerung. Aus der therapeutischen Praxis war mir auch bekannt, wie individuelle und kollektive Muster der Verdrängung dafür sorgen, daß Todesangst nicht gefühlt und bewußt erlebt werden kann, auch wenn sie wirksam und verhaltensbestimmend ist.

Wer seinen blinden Flecken auf die Schliche kommen will, benötigt einen tieferen Einblick in den Teufelskreis der Angst mit dem sich selbst bestätigenden (kybernetischen) Regelkreis. Die Angst als treibende Kraft ruft unbewußte Reaktionsmuster hervor, die im Laufe der Evolution ausgebildet wurden und auch in uns Menschen wirksam sind. Ist erst einmal Todesangst geweckt – durch irgendwelche Eindrücke, so übernimmt das Instinktzentrum (Stammhirn oder Reptilienhirn) die Führung und stellt das Kopfzentrum (mit den Denkprozessen in Neocortex und Großhirnrinde) in seinen Dienst. Das Angst beherrschte Denken heizt nun wiederum diese weiter an, indem es eine innere Landkarte der vermeintlichen Gefahren erstellt und nun seinerseits die Wahrnehmung in den Dienst nimmt und auf mögliche Gefahrenquellen fokussiert. Dann sieht einer plötzlich in der Außenwelt lauter Signale, die seine Befürchtungen zu bestätigen scheinen. Die drei unbewußten Reaktionsmuster auf Angst – nämlich Flucht, Angriff oder Erstarrung – führen in der Folge dazu, daß wir die Flucht ergreifen und vermeiden, was uns Angst macht, dagegen ankämpfen oder in der Erstarrung uns selbst betäuben. Alle drei Reaktionen haben als Nebeneffekt, daß die Angst als solche nicht in ihrem vollen Ausmaß bewußt erlebt wird, sondern ganz oder zumindest teilweise unbewußt bleibt.

Mentales Bewußtsein als Stufe der Bewußtseinsentwicklung

Der Regelkreis der Angst ist eng verknüpft mit dem vom mentalen Geist dominierten Bewußtsein, der Bewußtseinsstufe, die zur weltweit vorherrschenden geworden ist. Auf dieser Bewußtseinsstufe gilt nur das als wirklich, was meßbar ist; was nicht meßbar ist, wird nicht ernst genommen oder oft sogar als Einbildung oder Illusion verunglimpft. Wissenschaft, genauer Naturwissenschaft, also die Erforschung der Außenwelt, ist zur neuen Glaubenslehre und zur Ersatz-Religion geworden, weil der außen-orientierte Mensch nach einem Halt sucht, den er seit geraumer Zeit in der Religion nicht mehr findet. Unversehens ist auf diese Weise für viele die Fragwürdigkeit wissenschaftlicher Theorie ausgeblendet und durch einen unausgesprochenen Wahrheitsglauben ersetzt.

Die Rolle des Denkens

Das Denken ermöglicht einen Zugang zu all jenen Aspekten der Wirklichkeit, die unmittelbarer Anschauung oder direkter sinnlicher Wahrnehmung entzogen sind. Ursprünglich ist Denken auf Erkenntnisgewinn und Einsicht ausgerichtet, auch wenn alle gewonnene Erkenntnis oder Einsicht stets begrenzt ist und vorläufig bleibt. Sobald der Denkende glaubt, seine Einsicht sei endgültig oder allumfassend, hat sich Einsicht in Einbildung verwandelt.

Allerdings hat auf der Stufe des mentalen Bewußtseins die Denk-Aktivität überhandgenommen, und der größte Teil dient nicht mehr dem Erkenntnisgewinn oder der Erlangung von Einsicht. Wenn sich Denken zwanghaft im Kreise dreht (Gedankenkarussel), hat es sich längst in eine unbewußte Vermeidungsstrategie verwandelt, die vom Fühlen ablenkt, vom Fühlen ebenfalls unbewußter – weil verdrängter – Gefühle. Denken ist immer schon wichtigste und wirksamste Methode der Gefühlsvermeidung gewesen.

Im Zustand unbewußter Angst regrediert der denkende Geist von der mentalen Stufe auf die Stufe magischen Denkens. Für logisch begründete Argumente oder Beweise ist er nicht mehr empfänglich. Regelkonformes Verhalten soll die von einer Gefahr ausgehende Bedrohung bannen. Er gibt vor, Leben (das eigene oder das der anderen) schützen zu wollen oder sogar zu müssen. Doch tatsächlich ist das eine unbewußt vorgeschobene irrige Behauptung, eine Rationalisierung. Beim Hinschauen auf die schlimmen Auswirkungen zeigt sich als tieferer Beweggrund stets Angst.

(vgl. Zeit vom 21.05.2021)

(vgl. auch: BMI unterbindet Studie zur Abschätzung der sogenannten Kollateralschäden
Focus vom 13.05.2020)

In Wirklichkeit ist der Mensch hier auf der Flucht vor seiner Todesangst, vor der Begegnung mit dem Tod. Und bei fast allen Menschen liegt dem eine traumatische Erfahrung in frühester Kindheit zugrunde.

Die Symbol-Sprache der Psyche: Einladung zur Heilung

Im Lebensverlauf traumatisierter Menschen gibt es immer wieder Erkrankungen, Unfälle oder andere Schicksalsschläge, die Gefühle hochkommen lassen, die oft jahrzehntelang verdrängt waren. Die Psyche bedient sich dabei einer Symbol-Sprache mit verblüffenden Analogien. In Traumaforschung und Traumatherapie spricht man auch von einer unbewußten Re-Inszenierung des Traumas in abgeschwächter Form. Die Gefühle, die im Zusammenhang mit der ursprünglichen traumatischen Erfahrung stehen, erlebt ein unvorbereiteter Mensch meistens als so unerträglich, daß er sie sofort wieder verdrängt. Immer ist es jedoch ein Versuch der Psyche, die ungeheilten seelischen Wunden ans Licht zu bringen und den betreffenden Menschen einzuladen und herauszufordern, diese seine seelischen Wunden mit der Wärme liebevollen Mitgefühls anzuschauen, so daß sie endlich heilen können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß es bei mir viele Jahre gedauert hat, bis ich bereit war, mir auch nur in Gedanken die Möglichkeit einzugestehen, daß ich selbst ein Trauma in mir tragen könnte. Danach hat es nochmals mehr als zehn Jahre gedauert, bis ins bewußte Erleben aufsteigen konnte, was tief im Unbewußten vergraben war. Wer sich nicht auf den Weg gemacht hat, um Licht in das Dunkel des eigenen Innenlebens zu bringen, wird das nicht verstehen können.

Traumatisierung im 20 Jahrhundert:
kollektives Erbe der Menschheitsfamilie

Trauma ist eine tiefverwurzelte, d.h. auch in allen Körperzellen energetisch gespeicherte, unerträgliche seelische Verletzung. Von solchen seelischen Wunden kann aber nicht nur ein einzelnes Individuum betroffen sein, sondern auch ein ganzes Volk oder auch die ganze Menschheitsfamilie. Wie die individuellen sind auch solche kollektiven Traumata ins Unbewußte verdrängt.

Das 20. Jahrhundert hat mit seinem Übermaß an Gewalt und Zerstörung

(Kolonialherrschaft europäischer Mächte in der sogenannten dritten Welt; erster und zweiter Weltkrieg; gewaltsame Revolutionen in Russland und China; nachfolgende Bürgerkriege; Nationalismus bzw. Faschismus in Deutschland, Italien, Spanien, Portugal; Zerstörung der Natur in zuvor nie gekanntem Ausmaß usw.)

eine tiefgreifende individuelle und kollektive Traumatisierung globalen Ausmaßes mit sich gebracht.

Unbewußte Re-Inszenierung eines kollektiven Traumas

Betrachten wir nun das Erscheinen der neuen Corona-Virus-Variante auf der Bühne der Welt und den Umgang der Menschheit mit dieser neuen Situation. Mir war aufgefallen, mit welch starken Emotionen viele Menschen reagierten, sobald sie – durch einen Vertreter des „anderen Lagers“ – inbezug auf Corona mit einer anderen Sichtweise konfrontiert wa-ren. Auch in mir löste das Corona-Thema starke emotionale Erregung, ja Empörung aus: es war, wie wenn auf alle meine roten Knöpfe gleichzeitig gedrückt wird. Da ich mich selber in eine traumatherapeutische Behandlung begeben hatte, war schon viel in mein bewußtes Erleben aufgestiegen und hatte mir wachsendes Verständnis und Mitgefühl für den traumatisierten Fötus und Säugling ermöglicht. Eines Nachts fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die äußere Situation des individuellen und kollektiven Umgangs mit dem Corona-Virus berührt nicht nur bei mir, sondern bei den meisten Menschen eine frühkindliche Traumatisierung.

Wenn wir die Annahme akzeptieren, daß es sich hier um die unbewußte Re-Inszenierung eines kollektiven Traumas handeln könnte, so fügen sich zahlreiche Details wie Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammen. Was vorher völlig unverständlich war, wird plötzlich klar.

Zunächst ist interessant, wo die neue Virus-Variante zum erstenmal auftauchte. Das ist in Wuhan gewesen, der einzigen Stadt Chinas mit einem hochmodernen Zentrum für Viren-Forschung. Dort wird die in den Erbanlagen von Viren enthaltene verschlüsselte Information (genetischer Code) erforscht. Forschungen zur Entwicklung biologischer Kampfstoffe im Rahmen der Kriegsforschung gibt es auch in den USA. Von 2014 – 2017 wurde unter Obama allerdings die Finanzierung dieser Forschungen ausgesetzt. Einige der amerikanischen Forscher, die unverhofft auf dem Trockenen saßen, gingen nun nach China, wo sie hochwillkommen waren und ihre Arbeiten fortsetzen konnten. Ein Ziel dieser Forschungen ist, das Erbgut von Viren so zu verändern, daß die Übertragung der Viren von Mensch zu Mensch leichter möglich wird und daß sie schwerere Erkrankungen hervorrufen können. Ob die neue Corona-Virus-Variante aus dem Forschungszentrum in Wuhan stammt, kann mit letzter Sicherheit nicht gesagt werden. Doch viele Indizien sprechen dafür, daß – unbeabsichtigt – Viren durch ein Leck entweichen konnten.

(vgl. Studie von Prof. Wiesendanger, Universität Hamburg)

Auf die Frage, was das für Menschen sind, die zu solchen Forschungen bereit sind oder sich sogar dafür begeistern, sind mir nur zwei plausible Antworten in den Sinn gekommen. Entweder sind es Menschen, die selber schwer traumatisiert sind und sich vom fühlenden Herzen abgeschnitten haben, damit ihre emotionale Not unter Verschluß bleibt. Oder es handelt sich um Menschen, die von ihrer Denkfähigkeit so fasziniert und begeistert sind, daß sie ihre ganze Aufmerksamkeit der Denkaktivität schenken und sich auf diese Weise ohne Not vom fühlenden Herzen abschneiden.

Jene Menschen, die eine durchlässige Verbindung auch zu ihrem Gefühlsleben bewahrt oder wieder errungen haben, fühlen nach Auftreten der ersten Covid-19-Erkrankungen eine gewisse Verunsicherung, Ängstlichkeit oder vielleicht auch Orientierungslosigkeit. Doch gerade durch das bewußt erlebte Fühlen sind sie weniger gefährdet, die automatisch ab-laufenden Angstreaktionen auszuagieren.

Regierende, Politiker aller Couleur, ja im Grunde alle Inhaber der Machtzentralen und Schaltstellen in unserer Gesellschaft sind im allgemeinen stark nach außen ausgerichtet und haben oft am wenigsten Kontakt zu den tieferliegenden Schichten ihres Seelenlebens. Wenn sie von Angst erfaßt werden, spüren sie das meistens gar nicht. Gerade dadurch ist ihr Handeln in höherem Maße von unbewußten Reaktionsmustern bestimmt.

Corona und
der Umgang mit der Corona-Krise

Außen-orientierte Menschen erkennen und durchschauen es nur sehr selten, daß es ihr eigener Schattenanteil ist, den sie nach außen projizieren, wenn sie dem politischen Gegner etwas vorwerfen und an ihm ablehnen. Unter emotionalem Stress agieren sie dann ihre Schattenanteile in feindseligem Verhalten aus, ohne es selber zu merken. So kommt es zu der eigenartigen Verschiebung der Frontlinien in den politischen Grabenkämpfen. Menschen mit ehemals anti-autoritärer Gesinnung werden autoritärer als jene, die sie einst bekämpft haben.

Unbewußte Re-Inszenierung des kollektiven Traumas heißt für Deutschland, daß Gefühle, Verhaltensmuster und Einstellungen wiederaufleben, die zu den Erfahrungen während der Diktatur (in Drittem Reich oder DDR) gehören und seelisch noch keineswegs verarbeitet oder überwunden sind. Ein großer Teil der Deutschen wünschte sich zu Beginn der Corona-Zeit von der Regierung noch deutlich rigorosere Einschränkungen: nicht Selbstverantwortung war erwünscht, sondern eine starke autoritäre Führung, die jedem sagt, was er zu tun und zu lassen hat. Das kennen wir aus der deutschen Geschichte nur allzu gut. Wer dem „von oben“ vorgegebenen Kurs widerspricht, wird diffamiert – heutzutage als rechtslastig, als Verschwörungstheoretiker oder als Corona-Leugner – indem ihm eine Gesinnung unterstellt wird, die zum Schattenreich in der Psyche jener gehört, die an der Macht sind.

Alles Lebendige atmet. Der Masken-Zwang behindert das freie Atmen,

Coronavirus (Foto: tumisu-148124, pixabay)

das ja ein sprichwörtliches Symbol für Freiheit ist. Die staatlich verordnete Einschränkung der Freiheit ist damit für alle offensichtlich: jeder muß den Gessler-Hut grüßen (vgl. Friedrich Schiller, Wilhelm Tell). Betrachten wir die Symbolik des Masken-Zwangs unter dem Blickwinkel zwischenmenschlicher Kommunikation, so propagiert er auf einer Meta-Ebene, daß der Nächste eine Gefahr für mich sei. Für Kinder ist es noch schlimmer, denn sie glauben nun auch, daß sie selber eine Gefahr für ihre Nächsten seien. Weiterhin kann uns die Maske in Erinnerung rufen, daß in einer Diktatur jeder seine Gesinnung verbergen muß, wenn er gegenüber dem herrschenden System eine kritische oder ablehnende Einstellung hat und Nachteile aller Art – bis hin zu Verhaftung und Bestrafung – vermeiden will. In diesem Sinne haben alljene Menschen, die Gegner jeglicher Gewaltherrschaft sind – wie auch immer der Zwang und die Gewalt ideologisch verbrämt sein mögen – schon immer eine Maske aufsetzen oder aber einen hohen Preis zahlen müssen.

Seelische Verarbeitung setzt erst da ein, wo moralische Verurteilung oder Ablehnung auf-hört und der Einzelne sein Herz öffnet für das ganze Leid – für Opfer und Täter. Vielleicht sind in Italien und Frankreich die Erfahrungen aus der Zeit des Faschismus und des zweiten Weltkriegs auf seelischer Ebene noch weniger verarbeitet als in Deutschland. Jeden-falls waren die staatlichen Reglementierungen dort noch drastischer als hierzulande.

Schweden hat einen freiheitlichen Sonderweg beschritten nicht nur im Umgang mit dem Virus, sondern vorher schon. Aufgrund seiner strikten Neutralität blieb es vom zweiten Weltkrieg verschont. Es hat also keine kriegsbedingte Traumatisierung der Bevölkerung gegeben. Auch das Ausmaß der Natur-Zerstörung im Land ist vergleichsweise gering. Was die Covid-19-assoziierten Todesfälle angeht, liegt Schweden – auch in seinen Ballungsgebieten – im europäischen Vergleich im Mittelfeld und steht noch besser da als Länder mit drastischen Beschränkungen wie Italien oder Frankreich. Dennoch gibt es sicherlich auch bei den Menschen in diesem Land einen tief vergrabenen „Bodensatz“ traumatischer Erfahrung. Aber vom Ausmaß offenbar doch deutlich weniger als in den anderen Ländern Europas.

Die Schweiz – ein ebenfalls neutrales und von kriegsbedingter Traumatisierung verschont gebliebenes Land – ist nach anfänglichem diktatorischen Umgang früher als andere europäische Länder wieder zu einem freiheitlichen und selbstverantwortlichen Umgang mit der Corona-Situation zurückgekehrt.

Heilung durch tiefgreifende Wandlung und umfassenderes Bewußtsein

Die Heilung schwerwiegender kollektiver Traumata ist ein langwieriger Prozeß historischen Ausmaßes, der sich über mehrere Generationen hinziehen kann. Heilung geht dabei ein-her mit einer tiefgreifenden Wandlung in der Psyche der einzelnen Menschen und bereitet den Boden zum Erwachen eines neuen umfassenderen Bewußtseins. Das bisher vorherrschende mentale Bewußtsein, das die Fähigkeit zu logischem Denken und trennscharfem Unterscheidungsvermögen zur Blüte gebracht hat, wird dabei als wertvolle Errungenschaft beibehalten und integriert. War selbständiges klares Denken schon für die erste Aufklärung grundlegend, so ist es auch für die zweite eine unverzichtbare Voraussetzung. Doch geht das umfassendere Bewußtsein weit über einen klaren Kopf hinaus, indem es wesentliche Herzensqualitäten miteinbezieht: die Bereitschaft und Fähigkeit zur Innenschau, zur Konfrontation mit dem eigenen Schatten und zu seiner Integration, zu tiefgründigem Fühlen und Mitfühlen einschließlich intuitiver Fähigkeiten der Seele (Ahnung). Das Ganze und der Einzelne können endlich wieder als untrennbare Einheit erlebt werden, daher wird dieses Bewußtsein auch als transpersonal oder integral bezeichnet.

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