Wahre Information oder Information als Ware

Was bedeutet eigentlich Information?
Information („In-Forma“-tion) ist der aus dem Lateinischen entlehnte Begriff für das, was aus dem Unsichtbaren kommend im Sichtbaren Gestalt annimmt oder angenommen hat, sich also „in eine Form hinein“ ergießt oder ergossen hat. Zur Veranschaulichung zwei Beispiele: (1) Die Bildung einer Wolke am zuvor wolkenlosen Himmel und (2) die Bildung eines Kristalls in einer klaren Flüssigkeit, die zuvor keine sichtbaren Partikel enthielt.

Information hat also ursprünglich dieselbe Bedeutung wie das griechische Wort Physis, das im Altgriechischen zunächst nur „das, was in Erscheinung tritt“, meinte. (vgl. dazu M. Heidegger in der Einleitung seiner Vorlesung zur Metaphysik)

Daher sind alle Geschöpfe (Pflanzen, Tiere und Menschen, aber auch Felsen, Flüsse und die ganze Erde) als Information zu verstehen. Meister Eckehart wies daraufhin, daß es für einen Menschen und seine seelisch-geistige Entwicklung völlig ausreichend ist, nur in einem einzigen Buch zu lesen, nämlich im Buch der Natur.

Information ist wichtiges Bindeglied zwischen dem Bereich des Unsichtbaren (Geist) und dem Bereich des Sichtbaren (Materie). Zu ihrer Übermittlung ist Information zwar auf einen – im weitesten Sinne – physischen Informationsträger angewiesen (z.B. Schallwellen, die Worte oder Musik übertragen, Steintafel, Papyrus-Rolle, Buch, Tonband, Festplatte usw.), sie selber ist aber als Geistesinhalt immateriell.


Information zur Information

Fließt etwas, das aus dem Wesen kommt, in eine Form hinein, so ist auch die entstandene Information wesentlich und im Einklang mit Wahrheit. In jedem anderen Fall ist die Information unwesentlich, also auch nicht im Einklang mit Wahrheit, stattdessen handelt es sich um eine Form geistigen Mülls. Angesichts der wachsenden Informationsflut, der wir alle ausgesetzt sind, haben wir damit ein hilfreiches Unterscheidungsmerkmal in der Hand!

Wie kann ich nun prüfen oder herausfinden, ob eine Information aus dem Wesen kommt?

„Wenn Du gesprochen wird, ist das Ich des Wortpaars Ich-Du mitgesprochen.
Wenn Es gesprochen wird, ist das Ich des Wortpaars Ich-Es mitgesprochen.
Das Grundwort Ich-Du kann nur mit dem ganzen Wesen gesprochen werden.
Das Grundwort Ich-Es kann nie mit dem ganzen Wesen gesprochen werden.“
Martin Buber (1878-1965)

Martin Buber spricht hier von zwei grundverschiedenen Arten, wie wir mit einem anderen Menschen und mit dem Rest der Welt in Beziehung treten können.

1. Die Ich-Du-Beziehung ist eine Beziehung von Subjekt zu Subjekt, sie ist immer ein Wagnis, bei dem sich Ich und Du gleichrangig gegenüber stehen und das Ich über das Du und sein Verhalten weder Kontrolle hat noch eine solche anstrebt. Das Ich ist hier ein tief empfundenes oder gefühltes »Ich«, das erst im Loslassen aller Vorstellungen, Glaubenssätze und Wünsche erfahrbar wird. Es ist im Herzen und damit im wahren Zentrum lokalisiert.

2. Die Ich-Es-Beziehung ist eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. Das Gegenüber wird zum Gegenstand, dem das Ich nur zum Schein – niemals wirklich – ein Eigenleben zugesteht. Das Ich ist bestrebt, nach eigenem Gutdünken über das zum Es degradierte Du zu verfügen und möglichst vollständige Kontrolle zu erlangen. Das Ich ist hier ein vorgestelltes Ich (das Selbstbild, für das ich mich halte), es ist im Kopf lokalisiert und insofern exzentrisch, nicht im wahren Zentrum angesiedelt.

Hand auf‘s Herz
Somit ist stets zu prüfen, ob eine Information aus dem fühlenden Herzen kommt oder aus dem berechnenden Verstand.

Wenn ich mich als Empfänger einer Information im Herzen berührt fühle, kann es sein, daß auch der Absender der Information aus dem Herzen gesprochen hat und ich das als Resonanz in mir fühle. Es kann aber auch sein, daß die Resonanz nur ein innerer Vorgang ist, durch den ich mit emotionalen Tiefen aus früher Kindheit in Kontakt gekommen bin. Daher ist es unverzichtbar, die tieferliegende Motivation des Senders oder Absenders der Information zu erspüren und Einblick in die Person zu gewinnen. Schau genau hin, wem Du dein Vertrauen schenkst.

Es ist klar, daß ich nur mit offenem Herzen tieferliegende Motivationen bei mir selbst oder beim anderen erspüren kann. Daraus resultiert als weitere Voraussetzung, daß ich überhaupt bemerke, ob mein Herz offen oder verschlossen ist – oder mit anderen Worten, daß ich Introspektion geübt, die Fähigkeit zur Innenschau entwickelt habe, zu ehrlicher und tiefgründiger Selbstwahrnehmung.

Doch erst die Früchte des Handelns ermöglichen uns, die Spreu vom Weizen zu trennen. Schau genau hin, welche Wirkung der Sender mit seiner Information bei Dir und bei anderen hervorruft.

Das Sender-Empfänger-Modell
Betrachten wir die zwischenmenschliche Kommunikation noch etwas genauer. Hier ist jeder Empfänger auch Sender und umgekehrt jeder Sender auch Empfänger. In der Kommunikationstheorie werden dabei 4 Aspekte unterschieden, die im Folgenden schematisch dargestellt sind:

Die Komplexität wird für das Individuum durch eingebaute Filter allerdings wieder stark reduziert: was für die Orientierung unwichtig erscheint, wird ausgeblendet, die Empfangsbereitschaft wird auf den als wichtig eingestuften Bereich ausgerichtet. Die emotionalen Schwingungen, die mit den Gemütsbewegungen (der Eltern oder anderer Bezugspersonen) einhergehen, sind für das Überleben eines Kindes (und auch für das innere Kind des Erwachsenen) vorrangig. Da sie sich nur auf die ersten drei Aspekte in der Betrachtung einer Information beziehen, hat der Sach-Aspekt das geringste Gewicht für das kindliche Erleben.

Ist der erwachsene Mensch sich seines inneren Kindes und der in früher Kindheit erfolgten Prägung bzw. Konditionierung nicht bewußt, so ist er leicht beeinflußbar und kann wie eine Marionette gelenkt werden, wenn jemand die entsprechenden Strippen zieht oder auf die roten Knöpfe drückt.

Ein-Weg-Kommunikation
Nehmen wir als Nächstes auch noch die sogenannte Ein-Weg-Kommunikation unter die Lupe. Damit ist die fixierte Rollenverteilung von Sender und Empfänger einer Information gemeint, die nur in minimalem Maße umkehrbar ist wie bei der Nutzung von Medien (Zeitungen, Fernsehen, Rundfunk, Internet usw.). Der Sender oder Absender befindet sich in einer Position der Übermacht, der Empfänger in der Position relativer Machtlosigkeit. Beides erinnert an die Beziehung zwischen Eltern und Kind und ruft auf unbewußter Ebene beim Empfänger (wie auch bei den Verantwortlichen auf der Seite des Senders) entsprechende Gefühle und Reaktionsmuster wach. Wenn nun auf beiden Seiten keine oder sehr wenig Fähigkeit zur Introspektion ausgebildet ist, entsteht ein Interaktionsprozeß unreifer und der Sachlage nicht angemessener Reaktionsmuster.

Information als Ware
Betrachten wir zu guter Letzt den Aspekt des Warencharakters einer Information. Im heute weltweit vorherrschenden mentalen Bewußtsein ist der Kopf zum bestimmenden Zentrum geworden; wie schon gesagt, kreist das Denken um materielle Schein-Bedürfnisse eines Ich, das nur in der Vorstellung existiert. Das diesem Bewußtsein entsprechende gesellschaftliche und ökonomische System ist der Kapitalismus, in dem alles zur Ware geworden ist. Schon lange vor der Ausbreitung des Internet waren Informationen für die großen Nachrichtenagenturen (wie AP, Reuters, DPA usw.) eine Art Handelsware, die sie kaufen und verkaufen konnten. Seitdem das Internet etabliert ist, haben vor allem die beiden Konzerne Google und Facebook das Sammeln von Informationen über jeden einzelnen Internet-Nutzer perfektioniert und den Handel mit diesen Informationen zu ihrem Geschäftsmodell gemacht. Aus den über einen konkreten Menschen gesammelten Informationen wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt, das Prognosen mit hoher Treffsicherheit ermöglicht über das Verhalten in vielen Lebensbereichen (Konsum, Freizeit, Partnerwahl, politische Einstellung usw.). Diese Informationen werden dann an andere Firmen verkauft, aber auch an Regierungen und Geheimdienste (z.B. NSA – wie von Edward Snowden und anderen aufgedeckt wurde) weitergegeben.

Fazit
Information kann beides sein: Ein Mittel zur Wahrheitsfindung, die der Befreiung des Menschen aus der Gefangenschaft seiner Prägung bzw. frühkindlichen Konditionierung dient. Oder aber ein Mittel zur Manipulation und Versklavung des Menschen. Wieder ist es so: Wer die eigene Prägung und Konditionierung nicht aufgelöst hat oder sich ihrer zumindest bewußt geworden ist, ist eine leichte Beute für Manipulation, ohne daß er oder sie es überhaupt bemerkt. Das mentale Bewußtsein – ein enormer Fortschritt in der Bewußtseinsentwicklung – hilft uns, besser mit der Außenwelt klar zu kommen. Doch erst, wenn wir es in den Dienst der Selbstergründung stellen und nach innen hin ausrichten, kann es dem einzelnen Menschen zu einem höheren transpersonalen Bewußtsein verhelfen. Und nur so ist auch die kapitalistische Welt-Unordnung von innen heraus zu überwinden.

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