Tagore

Hast du nicht seine schweigenden Schritte gehört?
Er kommt, er kommt, immer kommt er –
In jedem Augenblick und in jedem Zeitalter,
jede Nacht und jeden Tag,
er kommt, er kommt, immer kommt er –
in den duftenden sonnigen Apriltagen,
auf dem Waldweg,
Er kommt, er kommt, immer kommt er
In den dunklen, regnerischen Julinächten,
auf dem donnernden Wagen der Wolken,
Er kommt, er kommt, immer kommt er.
In Traurigkeit über Traurigkeit sind es seine Schritte,
die auf meinem Herzen lasten,
und es ist die goldene Berührung seiner Füße,
die meine Freude erhellt.

Laß mich nicht bitten, vor Gefahr bewahrt zu werden, sondern ihr furchtlos zu begegnen;
Laß mich nicht das Ende der Schmerzen erflehen, sondern das Herz, das sie besiegt;
Laß mich auf dem Kampffeld des Lebens nicht nach Verbündeten suchen, sondern nach meiner eigenen Stärke;
Laß mich nicht in Sorge und Furcht nach Rettung rufen, sondern hoffen,daß ich Geduld habe, bis meine Freiheit errungen ist;
Gewähre mir, daß ich kein Feigling bin, der seine Gnade nur im Erfolg erkennt.
Laß mich aber den Halt Deiner Hand fühlen, wenn ich versage.

 

Rabindranath Tagore (1861 – 1941)

 

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